BKS-Sprachen und Unterricht in den österreichischen Schulen

17. Feb 2014 in 12:21

Sprachliche und kulturelle Vielfalt sind Werte, welchen einen besonderen Beitrag zur Gesellschaftsqualität leisten. Auf der Welt werden circa 6.000 Sprachen gesprochen und 250 dieser sind aktiv in Wien im Gebrauch. Allerdings sind, laut Prognosen der UNESCO circa die Hälfte aller Weltsprachen bedroht. Daher ist es eine gute Gelegenheit die Wichtigkeit des Themas Muttersprache, sowie des bevorstehenden internationalen Tages der Muttersprache (21. Februar) hervorzuheben.

Der Begriff Muttersprache ist schwer zu erklären, da er über keine eindeutige Definition verfügt. Allerdings kann man zusammenfassen, dass es sich bei der Muttersprache um jene Sprache handelt, die bereits in früher Kindheit, ohne formalen Unterricht, erlernt wird.
Die Muttersprache und deren grammatikalischen und phonologischen Strukturen prägen sich so stark ein, dass ein jeden Individuum seine Muttersprach ganz automatisch und natürlich spricht. Laut Meinung einiger Linguisten kann nach der Pubertät keine andere Sprache den Platz der Muttersprache einnehmen.

In der modernen Linguistik werden dem Terminus Muttersprache zudem die Begriffe Familiensprache, Erstsprache und Primärsprache verwendet. Die Muttersprache muss allerdings nicht jene Sprache sein, die eine Person am besten beherrscht, da bei multilingualen Personen oftmals die Amtssprache bzw. Hauptsprache der Gesellschaft in der sie leben dominiert. Dies kann man vor allem bei Kindern aus Migrantenfamilien beobachten, welche z.B. in Österreich leben aber eine andere Muttersprache als Deutsch haben.

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Eltern stellt sich häufig die Frage, ob sie mit ihren Kindern in der Muttersprache oder die Amtssprache der neuen Heimat sprechen sollen. Viele österreichische Wissenschaftler meinen, dass gute Kenntnisse in der Muttersprache von großer Wichtigkeit für das Erlernen weiterer Sprachen sind, in unserem Beispiel Deutsch. Daher ist es von Vorteil, dass Eltern mit ihren Kindern zu Hause in der Muttersprache sprechen, da diese spätestens im Kindergarten Deutsch ohne größere Schwierigkeiten erlernen werden.

Wien ist mehrsprachig

Das zentrale Thema der Zukunft, in Wien, werden die Muttersprachen der ZuwanderInnen darstellen, da dank ihnen mehr als 250 Sprachen in Wien gesprochen werden. Die bessere Positionierung der Muttersprache von ZuwanderInnen birgt ein großes Potential, da die bessere Verwendung von Mehrsprachigkeit große soziale und ökonomische Vorteile für Wien bringt.
Die Verbesserung des Images und des Gebrauchs von Serbisch, Kroatisch, Bosnisch und Türkisch ist von größerer Wichtigkeit, als zum Beispiel die der französischen Sprache, da im Gegensatz zu den oben genannten Sprechergruppen, eher eine kleine Anzahl an Franzosen in Wien lebt. Um diese Ziele zu erreichen ist eine Reform des Schulwesens, Arbeitssektors sowie der Medien notwendig.
Bereits seit einiger Zeit wird das Thema muttersprachlicher Unterricht in den österreichischen Schulen, vor allem bezüglich der BKS-Sprachen, heftig diskutiert. Nach den EinwanderInnen aus Deutschland stellen jene aus Serbien die größte Einwandergruppe dar – diese Situation sollte auch im Lehrplan entsprechend repräsentiert sein.
Serbisch, jedoch, ist nicht als alleinstehendes Unterrichtsfach in den Schulen Österreichs zu finden, sondern wird zusammen mit Bosnisch und Kroatisch unter dem Namen BKS unterrichtet. Diese Situation betrifft jedoch nicht nur die serbische, sondern auch die bosnische und kroatische Sprache, welche die gleiche Problematik teilen, den Wunsch nach einem eigenständigen Unterrichtsfach. Die Communities aus dem ehemaligen Jugoslawien warten gespannt auf eine Änderung, und die Möglichkeit sich dazu zu äußern, welche der drei Sprachen sie sprechen.
Notwendig hierzu wären kleine Reformen im Bildungswesen und die bessere Positionierung von Mehrsprachigkeit ist doch ein Ziel der österreichischen Bildungspolitik, oder nicht? Und Sie können bis dahin unbeschwert in Ihrer Muttersprache sprechen und die Wichtigkeit dieser mit Stolz hervorheben. Schaffen Sie Bewusstsein für Sprache als kulturelle Tradition! Wir wünschen Ihnen einen schönen Tag der Muttersprache!

Neue Initiative und Problematik des muttersprachlichen Unterrichts in Österreich

Die Gäste in der Sendung Dijaspora Uživo vom 18.10.2013, Prof. Željko Batarilo und Zoran Aleksić, Präsident der serbischen Gemeinschaft in Österreich, erläutern, in einem offenen Gespräch, die Problematik des muttersprachlichen Unterrichts in Österreich. Warum verringert sich die Anzahl der Schüler des Faches BKS? Warum boykottieren Eltern muttersprachlichen Unterricht? Erfahren sie mehr über die gemeinsame Initiative der serbischen und kroatischen Community und deren Wunsch nach einer Reform bezüglich des Unterrichtsfaches BKS.

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