Edita Malovčić: Auch ich habe Diskriminierung zu spüren bekommen

21. Mrz 2018 in 02:03

Edita Malovčić ist eine österreichische Schauspielerin und Singer-Songwriterin. Ihre Wurzeln sind in Bosnien. Sie wirkte in zahleichen Filmen und Fernsehproduktionen, etwa im „Tatort“ mit. Nächste Woche kommt ihr neuester Film „Die Party deines Lebens“ in die Kinos.

Edita Malovčić wurde 1978 in Wien geboren. Sie wuchs bei ihrer Mutter auf, die als gebürtige Serbien aus Bosnien schon im Zuge der ersten Gastarbeiter-Welle in den 1960er-Jahren mit ihren Eltern ausgewandert war. Ihr Vater Kemal Malovčić, ein bekannter bosnischer Turbo-Folk-Sänger, verließ die Mutter, als Edita eineinhalb Jahre alt war. Die Wienerin studierte Musikwissenschaft, sowie Sonder- und Heilpädagogik. Vor dem Abschluss kommt ihr allerdings die Schauspielkarriere dazwischen. Ihre erste große Rolle spielte sie in „Nordrand“.

Sängerin beim Falco-Tribute-Konzert

Als Sängerin stand Malovčić erstmals 2002 im Rampenlicht und machte unter ihrem Künstlernamen „Madita“ von sich Reden. Zuletzt stellte sie beim Falco-Tribute auf der Donauinsel ihre Stimme unter Beweis. Im Fernsehen war sie in der Serie „Altes Geld“ zu sehen. Nun folgt der Kinofilm „Die letzte Party deines Lebens“. Edita Malovčić spielt darin eine kroatische Polizistin.

Interview für „Wien heute“

In einem Interview für die ORF-Sendung „Wien heute“ plauderte Edita über ihr Leben in Wien, ihre Karriere, aber auch über die Diskriminierung im Alltag und wie sie von Behörden diskriminiert wurde – aufgrund ihres Namens.

(c) Michael Dürr

„Meine Mutter wollte, dass ich keinerlei Diskriminierung erfahre. Sie hat sich gedacht, dass das in so einem behüteten Umfeld wie einer katholischen Privatschule am ehesten möglich ist“, erzählt Edita. Daher wurde sie von ihren Eltern in eine katholische Privatschule geschickt. „Man kann ja von der katholischen Kirche oder vom Katholizismus halten was man möchte, aber eins muss man ihnen lassen: nämlich, dass sie Werte und Moral mitgeben. Und das hab ich damals dort erfahren und dafür bin auch sehr dankbar.“

Diskriminierung von Behörden erlebte sie später

Diskriminiert wurde sie erst später, wenn sie mit Behörden zu tun hatte. „Dass man plötzlich mit gebrochenem Deutsch angesprochen wird. Weil das Klischee herrscht, dass man als Gastarbeiterkind kein ordentliches Deutsch sprechen kann oder schon gar nicht Matura hat“, so Malovčić.

Die Schauspielerin hat einen 15-jährigen Sohn, der unter dem Nachnamen Malovčić leidet. „Er muss sich ständig rechtfertigen über seine Herkunft und seinen kulturellen Background. Er ist in Österreich geboren und ist die vierte Generation. Er identifiziert sich absolut als Österreicher. Ich glaube, dass es ihm auf die Nerven geht, dass er immer reduziert wird oder sich selbst definieren muss. Wir freuen uns, dass wir das Wort Europäer verwenden dürfen.“

„Was heißt denn das, Gastarbeiter?“

Ihr wurde zu Beginn ihrer Karriere nahegelegt, auf das „ić“ in ihrem Namen zu verzichten. Das verweigerte sie aber. „Es ist vielleicht irgendwie komisch, wenn ich das sage: Aber ich wollte beweisen, dass man nicht immer der Gastarbeiter bleibt. Was heißt denn das überhaupt, Gastarbeiter? Diese Leute sind aus einer schweren wirtschaftlichen Lage heraus aus ihrem Land gegangen und haben es nicht freiwillig verlassen. Und sie sind ja auch meistens mit viel höheren Ausbildungen angetanzt, die sie nicht ausüben konnten, aufgrund sprachlicher Barrieren und Prüfungssituationen. Also da muss man schon genauer sein.“

 

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