Moša Šišić: Geige ist sein Schicksal

07. Apr 2018 in 14:11

Weil das zur Familientradition gehört, oder wegen seiner größten Liebe – der Geige, in der nun folgenden Geschichte über und mit Moša Šišić erfahren Sie, wie dessen größter Wunsch in Erfüllung gegangen ist, nämlich ein freier Künstler in Österreich zu werden, der gleichermaßen von bekannten Persönlichkeiten, von Politikern, aber auch von einfachen Menschen geschätzt wird.

Moša Šišić wurde im Städtchen Obrenovac, in Serbien, geboren. Bereits mit sechs Jahren begab er sich in die große, weite Welt, genauer gesagt nach Wien, kehrte immer wieder nach Serbien zurück, um sich vor 30 Jahren für immer in Wien niederzulassen. Er ist verwandt mit dem berühmten Geiger Aleksandar Šišić, der auf seiner Geige die serbische Volksmusik und die Romamusik in die ganze Welt hinausgetragen hat. Vielleicht waren für den kleinen Moša sein Onkel, aber auch die übrigen Familienmitglieder ein Vorbild, die diesen Charakterzug der Präzision und Improvisation besaßen, der vielen Künstlern, die sich autodidaktisch gebildet haben, eigen ist.

In dieser Geschichte mit Moša Šišić erfahren Sie mehr über seine größte Liebe – die Geige, und wie diese Liebe geboren wurde. Ales andere ist, wie Moša sagt, einfach Schicksal.

„Ich war vielleicht fünf oder sechs Jahre alt, als ich begann, Geige zu spielen. Die ersten Takte brachte mir mein Vater hier in Wien bei. Er war kein großer, weltberühmter Geiger, aber er verstand es, zwar auch mit viel Mühe, schön langsam mir ein Lied nach dem anderen beizubringen. Er war sehr streng, was das Lernen anbelangt. Einmal hat er mich so am Finger gebissen, dass der Nagel blau geworden ist. Alles wegen der Geige. Auch heute noch ist eine Narbe übrig“, beginnt Moša seine Geschichte zu erzählen.

„Bereits mit 12 konnte ich schon etwas besser spielen. Damals hatte es nicht sehr viele Gasthäuser gegeben, deshalb habe ich vorwiegend in den Vereinen und bei den Jugendtreffs gespielt. 1977 fing ich an, aktiv zu spielen, ich verließ, aber, Wien, und kehrte nach Serbien zurück, wo ich mit einem Orchester auf Hochzeiten und in Lokalen aufgeigte. Dort, in der Umgebung, war ich damals schon bekannt, zu jener Zeit habe ich auch meine erste Musikkassette „Kaubojsko kolo“ („Cowboystanz“) aufgenommen. Wenig später war ich wieder in Wien.“

DIJASPORA.TV: Zu jener Zeit ließ, also, der große Erfolg noch auf sich warten?

„Damals ja, aber ich gab nicht auf. In Wien musste ich noch einmal von vorne anfangen. Und mich gegen meine Landsleute behaupten. Erst Anfang der Neunzigerjahre begann ich, Karriere in Österreich zu machen“.

DIJASPORA.TV: Viele werden denken, aha Karriere unter unseren Landsleuten! Dabei hatten Sie etwas ganz anderes vor.

„Ich hörte auf, für unsere Leute zu spielen, weil ich sonst nie ein schaffender Künstler geworden wäre, einer, der das spielt, was er will und mag. Ich beschloss, es den internationalen  Stars und Trends gleichzumachen.
Ich habe einfach verfolgt, was in der Szene läuft, ich war mit Österreichern zusammen, besuchte viele Orte, wo die Musik nach meinem Geschmack gespielt wurde. Deshalb bedeutet mir dieser neue Anfang so viel, weil ich es ganz allein geschafft habe, mir meinen Musikweg in Österreich zu ebnen. Und dann kam der Durchbruch. Nach viel Arbeit und Mühe begann ich, bei allen größeren österreichischen Veranstaltungen zu spielen“.

DIJASPORA.TV: Welche Art Musik schaffen und spielen Sie?

„Ich spiele Musik ohne Grenzen, ich beschränke mich nicht nur auf die Romamusik. Meine Musik ist einzigartig, es ist weder nur eine Balkan-, noch nur eine Romamusik. Ich tue es gerne, die klassische und die Balkanmusik mit orientalischen Rhythmen zu vermischen. Das Ergebnis ist Musik ohne Grenzen, oder „Moša-Musik“. Ich mag es auch zu experimentieren, und so vermische ich, zum Beispiel, die irische mit der Balkanmusik. Ein Beispiel dafür ist der ‚Mozarttanz‘, wo ich die klassischen, die irischen und die Balkanrhythmen vereinigt habe.“

DIJASPORA.TV: Unlängst ist Ihr 13. Album “Best of Moša Šišić” erschienen. Wir haben gehört, dass es sowohl in Österreich, als auch in vielen anderen Ländern Europas bestens aufgenommen wurde.

„Ich bin stolz, dass mein CD in den Musikshops neben jenen der großen internationalen Musikstars, wie Placido Domingo und „Gipsy Kings“ steht, und dass meine Kompositionen zur Weltmusik zählen, wie etwa die spanische oder die amerikanischen Musik. Mein jüngstes Album stellt einen Querschnitt aller meiner erfolgreichsten Kompositionen aus der Zeit von 1986 bis 2016.
Wenn du anonym bist, so hast du es nicht einfach, ein Album in Österreich zu veröffentlichen. Es war ein langer Kampf und ich ihn habe gewonnen. Unsere Landsleute können jetzt dieses Album in ganz Europa kaufen, aber nicht in unseren Läden, sondern ausschließlich in großen, renommierten Musikshops.“

 

Die Musik kennt keine Grenzen

Das Fernsehpublikum in Österreich und Deutschland hatte schon oft die Gelegenheit  gehabt, Moša Šišić und seine Band „Gipsy Magic“ (ehemals ‚Gipsy Express‘) in den führenden und beliebtesten Musiksendungen zu sehen und zu hören. Und die Liste bekannter Persönlichkeiten und Politiker in Österreich, die sich ausgerechnet Moša Šišić und seine Band bei einer ihrer Privatpartys gewünscht haben, ist ziemlich lang … wo dann die MOŠA-SHOW über die Bühne gegangen ist!

„Ich werde immer wieder eingeladen. Ich habe meine Show und bringe die Menschen dazu, zusammen mit mir zu lachen, und wenn dann meine Geige und ich zu weinen beginnen, beginnen auch sie zu weinen. So ist das Publikum in Österreich, das mich in erster Linie als Künstler sieht und schätzt. Das hätte ich bei unseren Landsleuten nie erreicht. Weil es bei uns nur um das Eine geht: sie holen das Geld aus der Tasche, bestellen ein Lied und du musst das spielen, was die sich wünschen, eine neue Hitmelodie, einen Tanz oder ähnliches. Der Grund dafür ist, dass unsere Landsleute uns nur als Stimmungsmacher sehen, während das österreichische Publikum mich als Künstler schätzt. Das ist der Schlüsselunterschied.“

DIJASPORA.TV: Sie haben sich auch als Filmschauspieler  erprobt?

„Wenn sich das Blatt zum Guten wendet, dann darf auch der Film nicht fehlen“, lacht Moša und fährt fort: „In mehr als 10 Filmen habe ich größere und kleinere Rollen gespielt, und zwar sowohl in Kinofilmen, als auch in Fernsehsendungen. Die Leute aus dem Showbusiness finden mich und das, was ich mache, sehr interessant, und laden mich immer wieder ein. Einer meiner liebsten Filme ist der Streifen „Gypsy Spirit“. Der Film begibt sich auf die Suche nach den Wurzeln der Gipsymusik und wurde in Indien gedreht. Es wurden zwei Künstler aus Österreich ausgewählt, Harri Stojka und ich. Wir haben einen interessanter Dokumentarfilm gemacht, der dann, als der beste in seiner Kategorie in Europa, auch mit einer Romy ausgezeichnet wurde.“

 

DIJASPORA.TV: Verraten Sie uns das Geheimnis Ihres Erfolgs

„Schauen Sie, meine Karriere in Österreich hält seit 30 Jahren an und wird noch lange anhalten, weil mich eigentlich das Publikum motiviert, weiter zu arbeiten, zu komponieren und aufzutreten. Ich habe viel erreicht weil ich für ein Weltpublikum spiele, und das ist etwas, was ich auch unseren jungen Künstlern empfehlen würde.

Ich muss auch auf die Verdienste meiner Gattin Jasmina hinweisen, die mich in all diesen Jahren begleitet hat, sowohl privat, als auch auf der Bühne. Sie ist mein größter Kritiker und Berater, meine Stütze und Motivation. Ohne ihr Zutun wäre mein heutiger Erfolg nicht denkbar.“

DIJASPORA.TV: Gibt es in Ihrer Karriere einen Wunsch, der bis heute unerfüllt geblieben ist?

„Ich wünsche mir, mit der Interpretation des ‚Hummelflugs‘ von Rimski-Korsakow in weniger als 60 Sekunden in das Guinnessbuch der Rekorde eingetragen zu werden. Ich übe und hoffe, dass ich bereits nächstes Jahr den bestehenden Rekord brechen werde. Ich bin schon gut in Form“, sagt Moša lachend.

Zusammen mit Moša spielen auch die Gattin Jasmina, der Sohn Mikica, sowie Perica, Stanko, Dragan Kefalo, Zoran Dimić und andere Musiker, die sich ihnen auf der Bühne anschließen. Moša und seine Gipsy Magic-Band treten auf vielen Festivals in Österreich auf, Einzelheiten sind seiner Homepage www.mosa-sisic.at  zu entnehmen.

 

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