Österreichischem Bundesheer fehlen Rekruten

02. Nov 2017 in 10:58

Statt 25.000 Rekruten – wie viele es noch vor zehn Jahren gab - kann das Österreichische Bundesheer heute mit nur 18.000 neuer Soldaten im Jahr rechnen. Um die bestehende Struktur aufrechtzuerhalten, bedarf es aber rund 20.000 Wehrdiener jedes Jahr. Die Armeespitze verlangt von der neuen Regierung die Lösungen für die Zukunft.

Österreich ist eines von seltenen europäischen Staaten, in welchen es immer noch die Wehrpflicht gibt. Man kann sie als Soldat mit der Waffe oder als Zivildiener absolvieren. Die Spitze des Bundesheeres ist wegen des inzwischen fast chrinischen Fehlens der neuen Rekruten besorgt. In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der Wehrpflichtigen um ganze 15 Prozent verringert.  In Östereich gab es 2016 nur noch 39.000 siebzehnjährige Männer (im Jahr 1982 gab es zum Beispiel rund 65.000 von ihnen).

Einer von Gründen dafür ist die immer höhere Zahl der Untauglichen, die im vergangenen Jahr die unglaublichen 24,2% erreicht hat. Der andere Grund liegt darin, dass es allgemein wenige österreichische männliche Neugeborene gibt. Heute hat mehr als ein Fünftel der Buben keine österreichische Staatsbürgerschaft. So wurden im letzten Jahr insgesamt 45.000 Buben geboren, von denen rund 10.000 eine fremde Staatsbürgerschaft besaßen. In Österreich wird die Staatsbürgerschaft nicht durch die Geburt im Inland sondern ausschließlich durch die Abstammung verliehen. Das stellt noch einen wichtigen Grund dafür dar, dass es viele junge Österreicher fehlen, die den Wehrdienst machen wollen. Eine höhere Anzahl der Neugeborenen unter Österreichern wird erst seit 2012 registriert. Das heißt, dass man noch lange darauf warten muss, bis sie für die Armee tauglich werden.

Da sich junge Männer auch für den „Zivildienst“ entscheiden können, tun sie das auch ziemlich oft, was ein zusätzliches Problem für das Bundesheer darstellt. Es ist aber interessant, dass in den letzten Jahren die Attraktivität des Wehrdienstes wieder merklich gestigen ist, bzw. dass sich wieder mehr junge Männer für den Dienst mit der Waffe interessieren. Das passiert wahrscheinlich deshalb, weil sie in diesem Fall kürzer den Dienst verrichten und dafür auch entschädigt werden. 2016 haben sich „nur“ 14.000 tauglicher Österreicher für den Zivildienst entschieden, was um 2.000 weniger als vor 2 Jahren ist. Trotzdem nehmen viele Jungs nach wie vor lieber in Kauf, sich mehrere Monate um Kranke, Alte und Behinderte zu kümmern, als den Militärdienst mit der Waffe zu verrichten.

Die Spitze des Österreichischen Bundesheeres verlangt von der neuen Regierung, den Militärdienst weiterhin offensiv zu bewerben und die finanzielle Entschädigung für Wehrdiener zu erhöhen. Ebenfalls soll man die Kriterien für (Un)tauglichkeit und den ganzen Musterungsprozess neu definieren. Es wird auch erwartet, dass viele in den letzten Jahren geborene Buben bis zum Militäralter die österreichische Staatsbürgerschaft bekommen werden. Wenn es zu dieser Zeit die Wehrpflicht überhaupt noch geben sollte.

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