Sicherheitsplan für Frauen-Opfer der häuslichen Gewalt: Wie mache ich ihn am besten?

10. Dez 2017 in 15:16

Worüber sollte rechtzeitig jede Frau nachdenken, die schon die Gewalt von ihrem Partner erlebt hat? Hier werden Sie praktische Ratschläge finden, die Ihnen im Notfall helfen könnten.

Wie wir schon in unserem ersten Text über die Gewalt gegenüber Frauen geschrieben haben, sollten Sie – falls Sie sich in einer solchen Situation befinden – auf jeden Fall einen eigenen „Sicherheitsplan“ ausarbeiten. Dadurch werden Sie besser für die Krisensituationen vorbereitet sein und werden mehr Sicherheit und Kontrolle über die eigene Situation haben.

Mögliche Gedanken und Fragen, die eine vom Partner malträtierte Frau sich machen sollte

Hier schildern wir Ihnen einen möglichen Gedankengang im Falle, dass Sie sich für einen solchen Plan entscheiden.

Da ich persönlich mich selbst, meinen Partner und unsere gesamte Situation am besten kenne, so bin ich auch diejenige, die darüber entscheiden soll, welche Sicherheitsmaßnahmen in meinem Fall die besten sind. Ich weiß natürlich, dass gute konkrete Beratung in einer zuständigen Institutionen (z.B. Frauenhäuser) nichts ersetzen kann, kann mich aber irgendwie noch nicht entscheiden, darum zu bitten…. Also ich mache mir meinen eigenen Sichereheitsplan. Wie soll ich mich am besten für den Notfall vorbereiten? 

  1. Fluchtplan: Wie kann ich am schnellsten meine Wohnung verlassen? Wohin könnte ich flüchten, um Schutz zu finden? Welche Räumlichkeiten in der Wohnung kann ich mit dem Schlüssel zusperren? Welche würden mir die Möglichkeit bieten, schnell die Wohnung zu verlassen (z.B. ein Fenster haben, von dem ich hinunter steigen oder von dem ich um Hilfe rufen könnte)? Funktioniert mein Handy, damit ich die Polizei anrufen kann?
  2. Handy: Habe ich die Möglichkeit, jederzeit die Polizei per Handy zu erreichen? Sind drinnen alle Notrufnummern gespeichert? Wenn kann ich jederzeit anrufen? Ob ich irgendeinen Nachbarn habe, der bereit zu helfen wäre? Habe ich Münzen mit, damit ich aus der Telefonzelle die Polizei verständigen kann?
  3. Telefonnummern für Not: Im Notfall kann es passieren, dass ich alle auswendig gekannte Telefonnummern vergessen könnte. Deshalb mache ich mir eine Liste mit Nummern der wichtigsten Hilfsorganisationen, Freunde und Verwandte. Die wichtigsten Notnummern sind:  Frauenhäuser 05 77 22; Polizei 133, Rettung 144; Feuerwehr 122.
  4. Konkrete Hilfe: Wer in der nächsten Umgebung kann mir gelfen? Kann ich mich vielleicht einer Nachbarin anvertrauen? Ich könnte mit mir im Voraus vereinbaren, dass sie die Polizei ruft, wenn sie Krach und Hilferufe aus unserer Wohnung hört? Wir könnten auch die Zeichen vereinbaren (z.B.  irgendwo zu klopfen, damit sie mich hören kann), falls ich dringend Hilfe bräuchte? Die Nachbarn mischen sich meistens nicht gerne ein, deshalb muss ich mit jemandem darüber konkret reden.
  5. Wie soll ich mit meinen Kindern umgehen? Es ist sehr wichtig, meinen Kindern die Situation ihrem Alter angemessen zu schildern. Ich könnte ihnen z.B. sagen, dass sie dem Vater nicht die Tür öffnen sollen, dass sie in Not auch Polizei anrufen können, ihnen erklären, wie sie reagieren sollten, wenn er vor ihre Schule oder vor den Kindergarten kommt (die ich auch vorwarnen soll), ihnen sagen, dass es vielleicht einmal notwendig sein wird, die Wohnung zu verlassen….Ich muss sie fragen, wie sie sich fühlen, denn Kinder glauben manchmal, dass sie die Ursache für Streit und Gewalt sind. Ich werde ihnen sagen, dass das nicht wahr ist.
  6. Schlüssel: Ich werde mir ein Bündel mit allen wichtigen Schlüsseln anfertigen lassen (Wohnung, Eingang, Auto…) und werde es außerhalb der Wohnung bewahren (z.B. bei einer Freundin)
  7. Dokumente, Sparbücher, andere Wertsachen: Bei mir werde ich Kopien aller wichtigsten Dokumente bewahren, und die Originale werde ich irgendwo am sicheren Platz, zusammen mit den Wertsachen deponieren.
  8. Reisetasche für Notfall: Ich fülle eine Reisetasche mit notwendigsten Sachen für mich und die Kinder und bewahre sie an einem sicheren Ort. Hinein werde ich wichtige Dokumente, Adressen, Bekleidung, Hygieneartikel, Medikamente, Schlüssel, Geld, einige Spielzeuge usw. packen
  9. Beweise: Ich werde mir jedes Mal das gewalttätige Verhalten meines Partners (wie in einem Tagebuch) notieren und meine Verletzungen oder Schäden in der Wohnung fotografieren. Wenn ich mich eines Tages dafür entscheide, eine Anzeige zu erstatten, wird mir das sicher helfen.
  10. Notunterkunft: Ich werde mit Freundinnen und Verwandten darüber sprechen, ob ich in Notfall mit Kindern zu ihnen kommen kann. Für einen solchen Fall brauche ich aber eine sichere Unterkunft, zu der ich immer den Zutritt habe. Es wäre am besten, wenn ich auch den Schlüssel von dieser Unterkunft bekommen könnte. Das Frauenhaus kann ich aber Tag und Nacht anrufen und dort den Schutz finden!
  11. Zusätzliche Ideen und Möglichkeiten: Was fällt mir noch ein, was ich unternehmen könnte, um mich für die Notsituation so gut wie nur möglich vorzubereiten? Ich muss gut über jede Kleinigeit in der Wohnung und über unsere Lebensumstände nachdenken.

Wenn Sie sich (immer noch) nicht an eine der zahlreichen Hilfseinrichtungen für Opfer der familiären Gewalt wenden können oder wollen, so sollten Sie zumindest einen Plan für die Notsituation für sich machen. Vielleicht werden Sie eines Tages den entscheidenden Schritt wagen. Je früher das der Fall ist, desto bessert für Sie und für Ihre Kinder!

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