Alle Augen auf Sebastian Kurz

22.10.2013

Der junge Staatssekretär für Integrationen steigt langsam aber sicher zur politischen Spitze auf.

Einer der Namen, der nach den Nationalratswahlen in Österreich am meistens erwähnt wird, ist Sebastian Kurz. Die Person des aktuellen Staatssekretärs für Integrationen ist auch als Wahlgewinner zu bezeichnen – er hat die größte Anzahl an Vorzugstimmen gewonnen. Mit insgesamt 35,700 Stimmen stellte er die abgebrühten politischen Akteure wie Strache, Spidelegger, Glawischnig und Faymann in den Schatten.

Die Medien hungern nach interessanten Storys und die Geschichte, eines 27 -jährigen, der nie mit einer Krawatte zu sehen ist und die größte Anzahl an Vorzugsstimmen gewinnt, ist mehr als faszinierend. Daher verwundert es nicht, dass sich die Medien zurzeit in einem Wettrennen befinden, ihm möglichst schnell einen Platz in der Regierung zu „verleihen“. Das s.g. „Super-Ministerium“ bzw. Außenministerium und führende Position in seiner Partei (ÖVP) sind die Top-Favoriten.


Ungefähr vor einem Monat fand die Medien.Messe.Migration statt, auf der wir, unter anderem, unser Portal, dijaspora.tv, vorstellten. Herr Kurz besuchte die Messe zusammen mit seinen Kollegen aus der hohen politischen Schicht. Im Rahmen dieser hielt Sebastian Kurz ebenso eine Rede. Ganz unerwartet verschwand er nach der Eröffnungszeremonie. Eine erfolgreiche und hochwertige Kommunikation mit den Migrationsmedien führten die Wiener Stadträtin für Integration und Frauenfragen, Sandra Frauenberger, die Abgeordnete der Grünen, Alev Korun, und die Präsidentin der Wirtschaftskammer Österreich und Parteikollegin von Sebastian Kurz, Brigitte Jank. Den Medien widmeten sie einen Großteil ihrer Zeit, obwohl sich die Wahlkampagnen im vollen Gange befanden. Warum ignorierte Herr Kurz die Medien, die eben zu seinem Ressort gehören, dies bleibt für uns ein Rätsel.

Was die Integration betrifft, gibt es einen eindeutigen Erfolg – immer mehr Menschen mit Migrationshintergrund fühlen sich in Österreich zuhause, dies stellt einen sehr positiven Trend dar. Allerdings stellt sich die Frage, in welchem Maß trug Herr Kurz in den letzten zweieinhalb Jahren, seitdem er eine Schlüsselrolle innehat, dieser Entwicklung bei?

Es ist überhaupt kein Zufall, dass gerade ihm das Integrationsressort zugeteilt wurde. Die Stelle des Staatssekretärs für Integrationen versicherte dem jungen Kurz mediale Aufmerksamkeit und eine verantwortungsvolle Position, die ihm eher als Training für seine Fähigkeiten und Fertigkeiten dient. Falls er Erfolg erzielt, ist es gut, falls nicht, sei es ihm verziehen. Integration ist ein sehr komplexer Prozess, mit dem die österreichische (und sogar europäische) Politik schon lange Zeit nicht problemlos umgehen können. Und wer könnte sich dann trauen, den jungen, unerfahrenen Sebastian Kurz zu tadeln, falls er keine Verbesserungen in diesem Ressort schafft? Alles in allem – Integration stellt einen Sektor dar, in welchem man weder große Fortschritte noch Rückschritte machen kann. Aber eine Funktion bleibt immer noch eine Funktion und bringt große mediale Aufmerksamkeit mit sich.

Die ÖVP hat ein Projekt für die Zukunft und das heißt Sebastian Kurz. Bisher entwickelt sich das Projekt viel besser, als sich die ÖVP und Sebastian Kurz selbst erhofften.

Dijaspora