Der „Pfusch“ steigt in Österreich auch 2015

06.02.2015

In Österreich dürfte heuer die Schattenwirtschaft um 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr wachsen. Quantitativ am bedeutendsten ist die Schattenwirtschaft in Wien mit 5,88 Mrd. Euro. Anfällig ist vor allem die Mittelschicht. Österreich trotzdem Musterschüler in der EU.
Bei der hohen Abgaben- und Steuerlast in Österreich und bei gleichzeitig mehr Tagesfreizeit aufgrund von Teilzeitarbeit oder gar Arbeitslosigkeit drängen wieder mehr Menschen in die Schattenwirtschaft. Diese dürfte heuer das dritte Jahr in Folge zunehmen und auf 21,35 Milliarden Euro beziehungsweise 8,14 Prozent des BIP klettern, so der Linzer Volkswirtschaftsprofessor Friedrich Schneider für Radio Wien.
Baugewerbe und der Handwerksbetrieb (samt Reparaturen) halten in Österreich mit zirka 39 Prozent naturgemäß den größten Anteil beim „Pfusch“. 2015 werden hier, nach Meinung von Experten, rund 8,33 Mrd. Euro „schwarz“ umgesetzt, davon 2,3 Mrd. in Wien.
Der Grund ist, dass in Wien die Fixkosten in der offiziellen Wirtschaft hoch sind, höher als auf dem Land, so dass die Menschen, darunter auch eine gut verdienende Mittelschicht, sehr anfällig für den Pfusch sind.
Steuern und Sozialbeiträge in der Höhe von zwei bis 3,5 Mrd. Euro sollen dem Staat pro Jahr entgehen, der dadurch auch der größte Verlierer beim „Pfusch“ ist.
„Der gutverdienende Fliesenleger, der einen ganz normalen offiziellen Job hat und am Wochenende das Badezimmer fliest. Das ist der Durchschnittspfuscher. Das sind in Österreich zwischen 800.000 und 1,2 Millionen Menschen“, so Schneider, der von „Nebenerwerbspfuschern“ spricht, die sich neben ihrem Job Geld dazuverdienen, etwa 400 bis 600 Euro im Monat.

Pfusch in der EU: In Österreich am niedrigsten, in Bulgarien am stärksten ausgeprägt

Sieht man, aber, über die Grenzen hinweg, zeigt sich, dass die Österreicher in Sachen Pfusch Musterschüler sind. Gemessen am offiziellen Bruttoinlandsprodukt ist in Österreich der Anteil der Schattenwirtschaft der kleinste in der ganzen Europäischen Union.Die höchsten Werte hat Schneider für Bulgarien (30,6), Rumänien (28,0) und Kroatien (27,7 Prozent) ermittelt. Im OECD-Raum weisen nur Neuseeland, die Schweiz und vor allem die USA mit 8 bzw. 6,5 und 5,9 Prozent noch geringere „Pfusch“-Quoten als Österreich auf.

Dijaspora