Martinigansl auf Wiener Tellern

31.10.2017

Am 11. November wird der Tag des Heiligen Martin gefeiert. Der Brauch ist, Gänsebraten mit rotem Kraut und Erdäpfelnknödeln zu essen. Diese Spezialität wird in vielen Gasthäusern angeboten. Wer war aber Hl. Martin und warum isst man gerade Gänse an seinem Feiertag?

Im November wird in Österreich traditionell “Martingansl” gegessen. Wer der Heilige Martin war, wissen heute noch nur die wenigen Menschen. Das war natürlich ein guter Christ, jener, der dem nackten Armen die Hälfte seines roten Soldatenmantels geschenkt hat, da er  bei sich sonst nichts außer seinem Schwert hatte, mit dem er den Mantel geteilt hat.

Und warum ißt man zu seiner Ehre gerade Gänse? Angeblich aus Rache, da diese Vögel   in den alten Zeiten durch ihr Gacken Martin verrieten hatten, der sich versteckte, weil er kein Bischof werden wollte. Oder vielleicht deshalb, weil sie seine Predigt störten. Der Grund wird aber eher ein praktischer gewesen sein.

Am St.Martins Tag beginnt nämlich nach dem alten Brauch das “Neue Bauernjahr”: es wird Abrechung gemacht, die Pachtverträge werden verlängert, Mägde konnten an diesem Tag ihren Herr tauschen, usw. Im November hat man viele Gänse gebraten, die Bauer aus ökomonischen Gründen schlachten mussten, weil sie sie über den Winter nicht füttern konnten. So entstand wahrscheinlich der Brauch, Gänse im November, gerade um und am Martinstag zu verspeisen.

Es blieb bis heute etwas von der alten Tradition übrig. Das kann man in Wien natürlich nicht sehen, aber am Land werden Martiniumzüge veranstaltet, die Bauer verkleiden sich und spielen die Szene mit Martin und dem Bettler nach und es wird da und dort auch ein großes Martinifeuer entfacht. Gute Katholiken-Bauer arbeiten an diesem Feiertag nichts, denn es ist ihr Tag. In vielen Dörfern ist der Hl. oder Sankt Martin auch Kirchenpatron, in dessen Ehre man jährlich Kirchtag organisiert.

Dijaspora