Volkszählung in Bosnien und Herzegowina

03.10.2013

Die erste Volkszählung seit 1991.

In Bosnien und Herzegowina begann die erste Volkszählung seit dem Krieg, welche bis zum 15. Oktober 2013 dauern wird. Auch wenn es bereits zur europäischen Praxis (Vorschlag der UN) gehört, dass Volkszählungen alle 10 Jahre durchgeführt werden, sind in Bosnien und Herzegowina ganze 22 Jahre vergangen. Die Gründe für das „lange Warten“ sind vor allem politischer Natur, da die sich die Politiker der drei konstitutiven Ethnien – Bosniaken, Kroaten und Serben – nicht über die Kriterien der Erhebung einigen konnten.

Langes Warten auf eine neue Volkszählung

Die Volkszählung zählt zu den grundlegenden statistischen Instrumenten eines jeden Landes. Mit ihrer Hilfe können wichtige demographische Daten erhoben werden, unter anderem – das Durchschnittsalter der Bevölkerung, das Bildungsniveau und die ethnische bzw. religiöse Zugehörigkeit. Diese Erhebung ermöglicht ebenso die Anzahl der Familien und Haushalte zu eruieren. All diese Daten sind für die Langzeitplanung der ökonomischen und gesellschaftlichen Politik eines Landes von enormer Wichtigkeit. In einem multiethnischen Land, wie Bosnien und Herzegowina, ist die Volkszählung für die Aufteilung der sowohl regionalen als auch staatlichen Gewalt von großer Bedeutung, da sie prozentuell dem zahlenmäßigen Verhältnis der ethnischen Gruppen zueinander entsprechen muss.

Der Friedensvertrag von Dayton (1995) besagt, dass, bis zur nächsten Volkszählung, die Regierungsaufteilung den Ergebnissen der letzten Volkszählung (1991) entspricht. Allerdings ist anzumerken, dass der vierjährige Bürgerkrieg in Bosnien und Herzegowina die demographische Struktur des Landes grundlegend verändert hat. Mehr als hunderttausend Menschen litten unter dem Krieg und eine noch viel größere Zahl flüchtete – sowohl in andere Gebiete des Landes als auch ins Ausland. Die Volkszählung aus dem Jahr 1991 entspricht somit nicht der tatsächlichen demographischen Situation des Landes, und führte zu ständigen Problemen aufgrund der nichtentsprechenden (ethnisch-)politischen Repräsentation.

Die enge Verbindung von Volkszählung und Regierung ist wohl der Grund für den großen Zeitabstand zwischen den Erhebungen. Während die Bosniaken sich dafür eingesetzt haben, dass die ethnische und religiöse Zugehörigkeit keine Kriterien darstellen sollten, waren jedoch genau diese, den Serben von großer Bedeutung. Schlussendlich wurden beschlossen, dass diese Kriterien sehr wohl Teil der Volkszählung sein werden. Die löste Reaktionen einiger Politiker, unabhängig von deren ethnischer Zugehörigkeit, aus – sie rieten der Bevölkerung Bosnien und Herzegowinas, dass sie sich unbedingt zu ihrer ethnischen und religiösen Zugehörigkeit äußern sollen. Ebenso wurden auf YouTube einige Videos veröffentlicht, welchen „Erklärungen“ für das richtige Verhalten bei der Volkszählung zum Inhalt hatte. Die heurige Volkszählung wird Klarheit über die tatsächliche ethnische Struktur des Landes und in weiterer Folge einige Änderungen in der Regierungsaufteilung, bringen. Die diesjährige Erhebung wird wohl auch ein ernüchterndes Ergebnis liefern, da sie die reellen Folgen der Krieges und der Kriegsverbrechen aufzeigen wird.

Wir werden die Daten der bosnischen StaatsbürgerInnen in der Diaspora erhoben?

Für die bosnischen Staatsbürger, welche im Ausland leben oder geboren wurden, gibt es laut der Statistikagentur-Bosnien und Herzegowina, zwei Möglichkeiten: entweder werden sie von Familienmitgliedern, welche in Bosnien und Herzegowina leben, „mitangegeben“ oder aber mittels eines Internetformulars:

Für Menschen, welche bereits länger als 12 Monate im Ausland leben:
http://www.bhas.ba/Popis%202013/P1_ino_bh.pdf

Für Menschen, mit einem zeitlich begrenzten (Arbeits-)Aufenthalt im Ausland (länger als 12 Monate):
http://www.bhas.ba/Popis%202013/BHAS_Uputstvo_za_popisivanje_inostranstvo_BH.pdf

Das ausgefüllte Formular muss spätestens bis zum 15. Oktober (mit Rücksendungsadresse) an die Statistikagentur-Bosnien und Herzegowina an folgende Adresse gesendet werden: Zelenih beretki 26, 71 000 Sarajevo, Bosna i Hercegovina.

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