Wer von den “unseren” auf welchem Platz seiner Parteiliste steht?

05.10.2017

Wenn wir uns die Anzahl „unserer“ Kandidat_innen und die Plätze auf den Parteilisten anschauen, auf welchen sie gereiht sind, stellen wir fest, dass die Situation auch bei dieser Wahl tragikomisch ist. Die meisten Kandidaten unserer Herkunft haben die Sozialdemokraten (SPÖ): sogar 6 von insgesamt 461. “Unsere“ Kandidaten aller Parteien, mit eventueller Ausnahme von Ahmed Husagić (SPÖ) und Elma Jusić (Liste Pilz) haben überhaupt keine Chancen ins Parlament einzuziehen, weil sie auf äußerst schlechten Plätzen eingereiht sind.

Für die „neue“ ÖVP von Sebastian Kurz kandidiert ein einziger, gleicher Kandidat auf 91. Platz der Bundesliste und auf dem 45. Platz der Landesliste.

Grüne, die traditionell für Ausländer sind, haben ebenfalls eine einzige „unsere“ Kandidatin auf dem 48. Platz der Landesliste.

FPÖ von H.C. Strache, die angeblich „Serben mag“, kann auf keiner ihrer Listen einen einzigen Kandidaten unserer Herkunft. 

Wir haben uns Mühe gegeben, trotzdem alle Listen zu lesen, und unter 2.074 Kandidaten jene zu finden, die unserer Herkunft sind. Das haben wir in erster Linie deshalb getan, damit wir Ihnen als Wähler die Vergabe der Vorzugsstimmen erleichtern. Jeder Wähler kann potenziell sogar 3 Vorzugsstimmen vergeben (Bundesliste, Landesliste, Regionalwahlkreis). Wenn Sie die Nummer Ihres Kandidaten auf der Liste kennen, müssen Sie ins leere Feld nicht seinen Namen eintragen. Das Kriterium „unser/e“ bezieht sich auf alle Kandidaten, die vom Namen her herkunftsmäßig aus einem Staat stammen, der früher ein Teil Jugoslawiens war. Nach jedem Namen ist in Klammern die Nummer auf der Liste.

Vorzugsstimme Bundeswahlvorschlag

Hier können Sie Ihre Vorzugsstimme einem der unten aufgelisteten Kandidaten folgenderweise geben: Sie sollen einfach ins leere Feld auf dem Stimmzettel neben dem Vorzugsstimme Bundeswahlvorschlag steht, entweder seinen Namen oder die Nummer eintragen (Sie können auch beides anführen, ist aber nicht notwendig). Dieses Feld ist direkt unter jenem, in dem Sie das Zeichen für seine Partei gesetzt haben. Im Bundeswahlvorschlag aller kandidierenden Parteien befinden sich insegsamt nur 11 Kandidat_innen unserer Herkunft und zwar::

  • SPÖ – von 461 Kandidat_innen „unsere“ sind 6: Husagić Ahmed (29.), Jurišić Darko (79.), Gavrić Marija (152.), Ramić Emina (206.), Barić Zlatko (276.) i Buljubašić Mirza (434.)

  • ÖVPvon 100 Kandidat_innen „unser“ ist 1: Matković Mirko (91.)

  • FPÖvon 300 Kandidat_innen „unser“ ist kein einziger

  • ZELENIvon 183 Kandidat_innen „unser“ ist kein einziger

  • NEOSvon 344 Kandidat_innen „unsere“ sind 2: Jusić Elma (44.) und Tomić Dušan (100.)

  • LISTE PETER PILZvon 26 Kandidat_innen „unsere“ ist 1: Zadić Alma (6.)

  • KPÖ+: von 254 Kandidat_innen „unsere“ ist 1: Sanja Jelić (169.)

Vorzugsstimme Landeswahlvorschlag

Das leere Feld neben dem Vorzugsstimme Landeswahlvorschlag steht, befindet sich gleich unter dem oben angeführten. In dieses Feld tragen Sie genauso wie oben entweder den Namen oder die Nummer Ihres Kandidaten. Im Landeswahlvorschlag aller kandidierenden Parteien für Wien gibt es sechs „unsere“ Kandidat_innen:

  • SPÖvon 66 Kandidat_innen „unsere“ sind 2: Husagić Ahmed (45.) und Radosavljević Kristina (58.)

  • ÖVPvon 66 Kandidat_innen „unser“ ist 1, wieder Matković Mirko (55.)

  • FPÖvon 66 Kandidat_innen „unser“ ist kein einziger

  • ZELENIvon 66 Kandidat_innen unsere ist 1: Mirković Amela (48.)

  • NEOSvon 66 Kandidat_innen „unser“ ist 1, wieder Tomić Dušan (32.)

  • LISTE PETER PILZvon 22 Kandidat_innen „unsere“ ist , wieder Zadić Alma (3.)

 

Vorzugsstimme Regionalwahlreis

Die Namen der Kandidaten sind schon in der letzten Rubrik auf dem Stimmzettel vorgedruckt, so dass Sie nur das Zeichen neben jenem setzen sollen, dem Sie Vorzugsstimme geben wollen. In verschiedenen Regionalwahlkreisen kandidieren verschiedene Menschen, weshalb wir Ihnen nicht mit Sicherheit sagen können, ob sich dort irgendein Kandidat unserer Herkunft befindet. Wir nehmen aber an, dass es nicht der Fall ist.

Was können Sie durch die Vergabe der Vorzugsstimmen erreichen?

Das hängt von der Positon Ihres Kandidaten auf seiner Parteiliste, aber auch von der Stärke (der Anzahl der eroberten Mandate) nach der Wahl ab. „Unsere“ Kandidat_innen sind – mit eventueller Ausnahme von Ahmed Husagić (SPÖ) und Alma Zadić (Liste Peter Pilz) auf so aussichtslosen Plätzen, dass sie Abertausende Vorzugsstimmen bräuchten, um „über die Reihe“ ins Parlament einzuziehen. Bei dieser Wahl ist so etwas also eher im Bereich der Phantasie, als es praktisch möglich wäre.

Wenn „Ihr“ Kandidat im Bundeswahlvorschlag seiner Partei vorkommt, dann muss er so viele Vorzugsstimmen sammeln, die der Summe von 7% aller gültigen Stimmen für seine Partei entsprechen. Das heißt: Wenn zum Beispiel seine Partei 300.000 gültige Stimmen bekommt, dann braucht er für „den Umweg ins Parlament“ 21.000 Vorzugsstimmen. Es gäbe sie theoretisch schon, wenn wir alle wählen gingen, aber…. 

Es ist trotzdem wichtig, dass Sie sich bemühen und Ihrem Kandidaten trotzdem diese zusätzliche Stimme schenken. Das ist nämlich ein sichtbares Zeichen für seine Partei, dass eine gewisse Anzahl der Wähler ihn im Parlament haben will, bzw. dass er den Einfluss in „seiner“ Community hat. Ob und wann einer von „unseren“ im Nationalparlament wirklich sitzen wird, ist eine andere Geschichte. Aber: je mehr Vorzugsstimmen, desto besser für Ihren Kandidaten. Vielleicht für die nächste NR Wahl.

 

Dijaspora