Wiener Schuldnerberatung hilft, wenn das Wasser bis zum Hals steht

23.04.2018

Durchschnittlich hat jeder Wiener 50.000 Euro Schulden. Wer nicht alleine raus kommt, kann sich an die Schuldenberatung wenden. Die gefährlichsten Schulden sind  die Mietschulden.

Zur Schuldnerberatung, die es seit 30 Jahren gibt und in dieser Zeit rund 100.000 Personen beim Schuldenabbau betreut hat, kommen meist Menschen mit niedrigerem Einkommen und mit niedriger Schulbildung. Ein Drittel sind ehemals Selbständige.

Zu den gefährlichsten Schulden nennt, laut Alexander Maly von der Beratungsstelle gegenüber „Wien heute“, die Mietschulden, die als erstes abgebaut werden sollen. Gefährlich seien auch Stromschulden, Energieschulden. Und die Alimente für minderjährige Kinder sei auch sehr wichtig.

In den 1980er Jahren sind erstmals Konsumkredite angeboten worden. Plötzlich konnten Menschen auf Kredit Urlaub buchen oder Elektrogeräte kaufen. Die Schuldenfalle schnappte immer öfter zu.

Am häufigsten haben sich die Wiener immer schon bei der Bank verschuldet. Vor 30 Jahren kamen auch viele Schulden durch Bestellungen per Versandhandel zustande. Neu dazugekommen sind in den vergangenen Jahren Schulden bei Handyanbietern.

Beratung mit Betreutem Konto

Droht die Schuldenfalle, so können sich die Wienerinnen und Wiener an die Schuldnerberatungsstelle wenden, die von der Stadt Wien finanziert wird. 2016 wurden mit einem Budget von 2,7 Mio. Euro und 44 Mitarbeitern 9.870 Kunden betreut, von denen rund 800 das Betreute Konto in Anspruch nahmen. Das Betreute Konto gilt als wichtiger Bestandteil in der Delogierungsprävention.

Neue Regeln beim Privatkonkurs

Der Andrang Ende 2017 war besonders groß. Im November gab es über 40 Prozent mehr Erstklienten als ein Jahr davor. Grund sind Erleichterungen beim Privatkonkurs, die Anfang November in Kraft traten. Die Mindestrückzahlungsquote von zehn Prozent wurde gestrichen. Bei einer Pfändung müssen zudem nur mehr fünf statt sieben Jahre lang alle Einkommen über dem Existenzminimum abgeliefert werden. Auch für Menschen mit niedrigem Einkommen oder sehr hohen Schulden ist ein Privatkonkurs dadurch jetzt leichter möglich.

Die neuen Regeln sind auch ein Signal an die Banken: Würden diese Kredite an Menschen vergeben, die sich diese eigentlich nicht leisten könnten, sei nun auch das Ausfallrisiko höher, weil diese Menschen leichter in Privatkonkurs gehen könnten. Die Folge: Weniger Schulden für besonders gefährdete Menschen.

Im Jahr 2017 wurden in Österreich 6.790 Schuldenregulierungsverfahren eröffnet, das sind um 1.065 Verfahren weniger als im Vergleichszeitraum 2016.

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Der Wiener Bürgerverein “Privileg” setzt mit Unterstützung von Experten die Rechte der Menschen aus Ex-Jugoslawien, die in Österreich leben. „Privileg“ kann seine Unterstützung jenen Klubmitgliedern anbieten, die Probleme mit dem Aufenthalt, Kredit, der Überschuldung, dem Privatkonkurs, den zu hohen Mieten usw. haben.

Verein „Privileg“ unterstützt Ex-Yu Bürger in Österreich

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