Vuk Stefanović Karadžić: Reformator der serbischen Sprache und Wien

07. Feb 2020 in 11:04

Heute, vor 156 Jahren wurde der Philologe, Ethnologe, Literat, Diplomat und Reformator der serbischen Sprache - Vuk Stefanović Karadžić - in Wien gestorben. Vuk ist die wohl wichtigste Person der serbischen Literatur der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Vuk Stefanović Karadžić war während des Ersten serbischen Aufstands als Schreiber in der Region Negotin tätig und nach der Zerschlagung des Aufstandes zog er 1813 nach Wien. Dort lernte er Jernej Kopitar, den K&K-Zensor slavischer Bücher, kennen. Aufgrund der engen und stimulierenden Bekanntschaft mit Kopitar begann Vuk Stefanović Karadžić mit der Sammlung von serbischen Volksliedern, der Reform der Kyrilliza und dem Bestreben, die serbische Volkssprache als Literatursprache einzuführen.

Vuk und seine Zeitgenossen setzten sich für die Einführung der phonetischen Rechtschreibung in die serbische Sprache ein, was starken Druck auf die slavenoserbische Sprache ausübte, welche zu dieser Zeit die Sprache der gebildeten Oberschicht war. Mit der Einführung der Buchstaben Ф” (F) und “X” (H) wurde in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts das “Vuks Alphabet” kompletiert. Dieses wird noch heute für die serbische Sprache verwendet.

Die Werke Vuks, wie z.B. “Mala prostonaradno slavenoserbska pjesnarica” (serbische Volksliedersammlung), “Pismenica serbskoga jezika” (Serbische Grammatik) und “Srpski rječnik” (serbisches Wörterbuch) hatten großen Einfluss auf die Herausbildung der südslavischen Standardsprachen.

Vuk und Wien

Die Person und die Werke des serbischen Sprachreformators, Vuk Stefanović Karadžić, sind eng mit der Stadt Wien verbunden. In der österreichischen Hauptstadt traf Vuk auf Menschen, die ihn in seiner Arbeit stark beeinflussten und in weiterer Folge zur Herausgabe zahlreicher wichtiger linguistischer und ethnologischer Werke führte. Diese machten Vuk Stefanović Karadžić zum Pionier der serbischen Literatur und Kultur. Wien hatte auch großen Einfluss auf das private Leben Vuks, da er hier seine Frau Anna traf und eine Familie gründete.

Auf der Flucht vor den Osmanen kam Vuk Stefanović Karadžić kam 1813 als Invalid nach Wien. Anfangs lebte er bei Freunden in der Ungargasse 7 im 3. Wiener Gemeindebezirk. Dort schrieb Vuk einen Text über den Kampf der Serben gegen die Osmanen, welcher in die Hände des damaligen Zensors der K&K-Monarchie, Jernej Kopitar, gelangte. Dieser nahm Kontakt zu Vuk auf, woraufhin zwischen ihnen eine enge Zusammenarbeit und Freundschaft begann.

Vor genau 206 Jahren (1814) gab Vuk die “Kleine serbische Grammatik” (Pismenica serbskoga jezika) heraus, welche als erste Grammatik der modernen serbischen Sprache angesehen wird. Diese wurde einige Jahre später von Jacom Grimm ins Deutsche übersetzt. Dieses Werk Vuks ist heute eines der wichtigsten Werke der serbischen Standardsprache, weshalb er als großer Sprach- und Schriftreformator gefeiert wird.

Im Jahr 1818 heiratet Vuk die Wienerin Anna Kraus in der Rochuskirche nach katholischem Brauch. Mit ihr hatte er 13 Kinder, von welchen viele bereits in jungen Jahren verstarben. Ihren Vater überlebten nur Dimitrije und Mina, welche unter anderem eine erfolgreiche Malerin war. Der Trauzeuge Vuks und Annas war der enge Familienfreund Jernej Kopitar.

Nach ihrer Vermählung zieht das Paar in die Siegelgasse 1, ebenfall im 3. Bezirk, wo Vuk beginnt am serbischen Alphabet, sowie seinem bekannten serbisch-deutsch-lateinischem Wörterbuch zu arbeiten.

Vuk Stefanović Karadžić verstarb 1864, im Alter von 77 Jahren, in Wien und wurde am Friedhof Sankt Marx beerdigt. Im Jahre 1897 wurde sein Leichnahm nach Belgrad überführt, wo er nun in der historischen Kathedrale in der Innenstadt ruht.

Am Wohnhaus in der Marokkanergasse 3 in Wien, in welchem Vuk verstarb, ist eine Gedenktafel angebracht und im 3. Bezirk befindet sich ein Denkmal zu Ehren dieses großen Sprachreformators.

Festakt zu Ehren von Vuk Karadžić

Der Festakt “Der Philologe Vuk Stefanović Karadžić und Wien” fand am 13. November 2014 in der Wienbibliothek im Rathaus statt. Anlass war 200 Jahre seit der Herausgabe von Vuk Karadžićs „Serbische Grammatik“ in Wien und des 150. Todesjahres. Am Festakt nahmen zahlreiche Ehrengäste und eminente SlawistInnen teil.

 

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