AK: MigrantInnen in der Wiener Wirtschaft

04.07.2014

An einer kürzlich abgehaltenen Pressekonferenz in der Wiener Arbeiterkammer wurden die Ergebnisse der Studie „Migrantische Ökonomie in Wien“ vorgestellt.

Migrantische Unternehmen in Wien stellen einen wichtigen Teil der Wirtschaft dar, diese Erkenntnis ist nicht komplett neu: um die 22.000 selbstständigen UnternehmerInnen in Wien haben Wurzeln in den neuen EU-Ländern, aber auch in der Türkei und dem ehemaligen Jugoslawien. Zusammen machen diese circa ein 1/3 der selbstständigen UnternehmerInnen in Wien aus. Ihre Firmen sind im Durchschnitt sehr jung und fallen in die Kategorie Klein- und Kleinstunternehmen und sind zum großen Teil in den Branchen Handel, technischen Dienstleistungen, Verkehr und Bau tätig. Dies sind die Ergebnisse einer Studie der L&R Sozialforschung, welche im Auftrag der Wiener Arbeiterkammer erstellt wurde. Allerdings zeigte die Studie auch die Probleme auf, mit welchen migrantische UnternehmerInnen in Wien zu kämpfen haben.

Migrantinnen als Arbeitgeber: gute Qualifikationen aber geringes Einkommen

Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass die Qualifikationen der migrantischen UnternehmerInnen im Durchschnitt sehr hoch ist: Ein Drittel dieser verfügt über eine Hochschulausbildung, ein weiteres Drittel hat die Matura erfolgreich abgeschlossen. Allerdings ist die Tatsache, dass migrantische UnternehmerInnen über ein sehr geringes Einkommen verfügen ebenso alarmierend – 46% verdient maximal 1.000 € netto im Monat und 26% haben ein monatliches Einkommen von bis zu 1.500 €. Ebenso gaben die 54% der Befragten an, dass die wirtschaftliche Situation ihres Unternehmens „gerade ausreichend“ bzw. „unzureichend“ ist.

Die schwierige finanzielle Situation wirkt sich auch auf die migrantischen UnternehmerInnen als Arbeitgeber aus. In vielen Fällen können sie ihren Angestellten keine hohen Einkünfte bieten. Der größte Anteil an migrantischen Unternehmen (67%) verfügt nicht über die Möglichkeit der Anstellung von MitarbeiterInnen. Laut der Studie haben circa 19.000 WienerInnen einen Chef mit Migrationshintergrund, wovon 30% die gleiche Herkunft wie der/die FirmeninhaberIn haben. 30% der Mitarbeiter in migrantischen Unternehmen haben keinen Migrationshintegrund und die restlichen sind ebenso MigrantInnen mit anderer Herkunft als ihr Chef.

Bezüglich des Betriebsklimas und der Sicherheit des Arbeitsplatzes wurden die migrantischen Unternehmen durchwegs positiv seitens ihrer Mitarbeiter bewertet. Angesichts der Tatsache, dass es sich um Klein- bzw. Kleinstunternehmen handelt, ist es typisch, dass die „familiäre“ Atmosphäre geschätzt wird, allerding hat dies auch eine Kehrseite. Laut Daten der Arbeiterkammer Wien kommt es oft zu Verstößen gegen das Arbeitsgesetz seitens der UnternehmerInnen, z.B. Aufzeichnung der Arbeitszeit, Ausbezahlung von Überstunden, etc. Man muss jedoch anmerken, dass es sich bei diesen Problemen um keine für migrantische Unternehmen typische handelt, sondern vielmehr ein Problem von Klein- und Kleinstbetrieben in Wien darstellt.

Scheinselbstständigkeit

Laut den Ergebnissen der Studie „Migrantische Ökonimien in Wien“ ist die Anzahl der scheinselbständigen sehr auffallend. Viele junge Menschen gründen ihre Ein-Mann-Firmen und in Scheinselbständigkeit arbeiten sie für andere Firmen, was bedeutet, dass diese einfache Arbeiten erledigen und alle Kosten als UntenehmerIn (Steuern, Versicherung, etc.) selbst tragen müssen.

Für den Auftraggeber stellt diese Situation einen Gewinn dar, da die „Anstellung“ von scheinselbständigen UnternehmerInnen billiger ist, als einen Mitarbeiter in einer Firma anzustellen. Die Scheinselbstständigkeit tritt verstärkt in der Transport- und Baubranche auf.

AK fordert Verbesserung dieser Situation

Auf der Pressekonferenz stellte der AK-Präsident Rudi Kaske die Forderungen seitens der AK vor, welche die angesprochenen Probleme verbessern sollen:

Vereinfachung des Prozesses der Nostrifikation von Qualifikationen, welche im Ausland abgeschlossen wurden – Gleichzeitig müssen die Arbeitgeber migrantischen MitarbeiterInnen offener gegenüberstehen. Perspektive, die Wiener Beratungsstelle, ist die richtige Adresse bezüglich Anerkennungen von im Ausland abgeschlossenen Ausbildungen.

Verringerung des Risikos der Arbeitslosigkeit – nicht nur bei MigrantInnen sondern in der kompletten Wiener Wirtschaft. Es ist notwendig neue und bessere Optionen und Verbesserungsvorschläge für Kleinunternehmen und die Scheinselbständigkeit zu finden.

• Im Bereich des Baugewerbes muss dem Problem der Scheinselbstständigkeit große Aufmerksamkeit geschenkt werden. Die zuständigen Institutionen müssen stärkere Kontrollen durchführen, vor allem bereits bei der Ausstellung des Gewerbescheins. In dieser Branche kommt es oft zur Ausbeutung von sogenannten die Ein-Mann-Firmen.

Dijaspora